Ein König in Berlin

Prinz Leka II. von Albanien als Ehrengast eines Gala-Abends in Schloss Charlottenburg

Als Zogu I., König der Albaner, am 20. Februar 1931 aus der Wiener Staatsoper herauskam, verübten zwei Exil-Albaner ein Revolverattentat auf ihn. Der König schoss zurück, blieb unverletzt, sein Adjutant aber erlag einem Kopfschuss. (Im Episoden-Film „Aria“ von 1987 diente dieses Ereignis als Vorlage der Eröffnungs-Sequenz zur Musik von Verdis Oper „Maskenball“, wie sich vielleicht manch einer erinnert). Als sein Enkel Leka II. am 22. März 2014 einen Gala-Abend in Berlin-Charlottenburg besuchte, verlief Gott-sei-Dank alles friedlich und harmonisch.

Leka II.

Prinz Leka wurde 1982 als einziges Kind von König Leka I. und der Australierin Susan Cullen-Ward in Johannesburg geboren. Bei seiner Geburt erklärte die südafrikanische Regierung die Entbindungsstation vorübergehend zu albanischem Territorium, um seine Legitimität als Thronfolger zu gewähren. Prinz Leka lebt heute in Albanien, hat für das Außenministerium und später für das Innenministerium gearbeitet und ist seit 2012 Berater des albanischen Präsidenten Bujar Nishani. Diesen März kam er für einen Kurzbesuch nach Berlin, auf Einladung und als Ehrengast der „Kaiserlich Deutsch-Osmanischen Gesellschaft e.V.“.

Imperial German-Ottoman Gala-Evening

Gemeinsam mit der Preußischen Gesellschaft veranstaltete die KDOG diesen Gala-Abend zur Förderung länderübergreifender Freundschaft vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen deutsch-osmanischen Beziehungen. Wie die Veranstalter Gerd Rebler und Ayberk Gökcimen von der KDOG erklärten, war das Ziel des Abends, in prächtigem historischen Rahmen gemeinsam das friedliche Zusammenwirken von Orient und Okzident über alle kulturellen, religiösen und nationalen Unterschiede hinweg zu feiern. Musikalisch gab es ein junges klassisches Streicher-Duo aus Wien zu bewundern, das gerade die ersten internationalen Erfolge feiert, eine lautstarke und farbenprächtige osmanische Mehter-Kapelle im alten Stil, wie sie früher die türkischen Heere begleiteten, und als krönenden Abschluss spirituelle Sufi-Musik mit Sheik Bahauddin ᶜᾹdil aus Zypern, der auch der Schirmherr der Veranstaltung war. Dazwischen gab es Vorträge und Reden der Veranstalter, von Shaykh Bahauiddin ᶜᾹdil und von Stefan Scholz, einem Historiker von der Universität Prag.

Etwa 500 Besucher waren in die Große Orangerie von Schloss Charlottenburg geströmt, was einen ziemlichen Stau beim Einlass verursachte. Die genauen Kontrollen der Event-Security sollten wohl verhindern, dass es Prinz Leka wie seinem Großvater ergeht. Der Prinz hielt auch die Eröffnungsrede und wurde später von Shaykh Bahauddin als würdiger Nachfahre von Alexander dem Großen bezeichnet. Wie andere Nationen sehen sich ja auch die Albaner in der Tradition dieses großen Herrschers der Antike. Die Veranstaltung dauerte fast bis 2 Uhr früh und auch Prinz Leka und seine Begleiter (darunter der albanische Botschafter in Berlin) blieben fasziniert bis zum Schluss.

König Zogu I.

Sein Großvater Zogu I., König der Albaner, stammt aus einer alten albanischen Adelsfamilie und mütterlicherseits aus der Familie des albanischen Nationalhelden Skanderbeg. Er wurde in Konstantinopel ausgebildet und folgte nach dem Tod seines Vaters ihm als Gouverneur der Region Mati nach. 1912 war er Mitunterzeichner der albanischen Unabhängigkeitserklärung. Im 1. Weltkrieg diente er in der österreichisch-ungarischen Armee als Oberst. Nach dem Krieg kehrte er nach Albanien zurück und wurde Gouverneur, Innenminister, Ministerpräsident und 1925 Präsident. Es gelang Zogu, langsam das „Gefühl einer albanischen Nation“ in den Albanern zu wecken, für die zuvor meist nur der eigene Clan von Bedeutung gewesen war. 1928 krönte sich Zogu zum König der Albaner und erklärte das Land zu einer konstitutionellen Monarchie. 1939 fielen italienische Truppen in Albanien ein, nachdem Zogu Forderungen abgelehnt hatte, die für einen souveränen Staat unzumutbar waren. Zogu musste nach Griechenland fliehen. Zwei Tage vor der italienischen Invasion wurde Leka I. geboren. Die folgenden Jahre verbrachte der König in Großbritannien und Ägypten und starb 1961 in Frankreich – er sollte seine Heimat nie wiedersehen.

Leka I.

Leka I. studierte an der Sorbonne und absolvierte die Militärakademie Sandhurst, lebte als Geschäftsmann in Südafrika und kehrte erstmals 1993 nach Albanien zurück, das sich nach dem Tod des Diktators Enver Hoxhas und der Überwindung des Kommunismus im politischen Chaos befand. Korruption und eine katastrophale Wirtschaftslage bestimmten die Situation, viele Albaner flohen nach Italien. Gleichzeitig mit den Parlamentswahlen im Juli 1997 wurde ein Referendum zur künftigen Staatsform Albaniens durchgeführt. Prinz Leka erzählte in Berlin, dass sich etwa 70% der Albaner damals für die Wiedereinführung der Monarchie aussprachen, aber das Ergebnis verfälscht wurde, mit Billigung des Auslands, vor allem des großen Nachbarn Griechenland. König Leka zweifelte die Unabhängigkeit der Wahlkommission an, es kam zu Ausschreitungen und Leka musste fluchtartig das Land verlassen. Salih Berisha, damals Präsident, gab 2011 zu, dass die Volksabstimmung nach dem stalinistische Prinzip „Du wählst, aber ich zähle die Stimmen „durchgeführt worden war, und dass die Albaner massiv für ihren König gestimmt hatten.

2002 baten 72 Parlamentsmitglieder die königliche Familie, nach Albanien zurückzukehren. Nach einem Beschluss der albanischen Regierung im Jahr 2006 erhielt Leka den ehemaligen königlichen Palast seiner Familie in der Hauptstadt Tirana zurück. Die Monarchistische Partei PLL (Partia Lëvizja e Legalitetit) zog schon 2001 als Teil eines Wahlbündnisses ins Parament ein. Leka selbst wählte aber nie, weil er „über allen politischen Parteien steht, auch über meiner eigenen.“ 2011 starb er in Tirana.

Leka II.

Prinz Leka schloss die Militärakademie Sandhurst 2006 als “Best foreign student of the Academy“ ab. Der 32-jährige ist heute durch seine freundliche und bescheidene Art in Albanien sehr populär. Dazu trägt auch seine Verlobung mit der Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Elia Zaharia bei (die Zaharia Familie wurde bereits im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt). Die beiden sind ein attraktives Paar, wie es sich die Illustrierten nur wünschen können – schon 2003 war er Teil der Titelstory „Young and Royal“ in Vanity Fair.

Prinz Leka erzählte, dass er immer den direkten Kontakt zur Bevölkerung sucht, den Menschen zuhört und versucht, zu helfen. Auf die Medien könne er sich nicht verlassen, die sind korrupt und richten sich nach denen, die am meisten bezahlen. Er unterstützt humanitäre Bemühungen und Selbsthilfe-Projekte. Er versucht, auch für die Albaner in den Nachbarländern da zu sein, ohne aber die bestehenden albanischen Grenzen anzuzweifeln – er strebt nicht nach der Etablierung eines Groß-Albaniens. Aber er bemüht sich, eine engere Zusammenarbeit Albaniens mit seinen Nachbarn zu erreichen, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Zusammen kann man dann mehr Einfluss auf die europäische und internationale Politik nehmen.

Wer Albanien kennt, meinte Prinz Leka lächelnd, der weiß, dass sich dort alle Männer wie Könige fühlen. Wenn er dann – so Gott will – einmal gekrönt wird, dann wird er der „High-King“ der Albaner sein.

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